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Der Beirat ist irgendwie mein Kind
11.11.2006 Von Jam Opielka Tel.: (06421) 169991 E-Mail:
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Der am Donnerstagabend zum Vorsitzenden des Marburger Ausländerbeirats gewählte Politologe Matin Baraki (diese Zeitung berichtete) ist in der Stadt keine unbekannte Person. Der 59-Jährige war bereits von 1993 bis 2000 Vorsitzender des Ausländer-Gremiums, nun wird er als Nachfolger von Kamal Sido voraussichtlich die kommenden vier Jahre dem 15-köpfigen Beirat vorstehen. Nach seiner Wahl sprachen wir mit ihm.
Marburg. Baraki wurde 1947 in Afghanistan geboren, studierte in der Hauptstadt Kabul Pädagogik und arbeitete anschließend an der dortigen Universität. In 1974 bin
ich über eine Partnerschaft mit der Uni Bonn nach Deutschland gekommen, erzählt der 59-Jährige, der auch als vereidigter Dolmetscher tätig ist. Studium in Bonn und Marburg. Das ab 1974 folgende Studium der Politikwissenschaft in Bonn sei ihm jedoch
zu eng gewesen, deshalb zog er 1978 nach Marburg und beendete es in der Lahnstadt.
1996 promovierte er über die Beziehungen zwischen Afghanistan und der Bundesrepublik Deutschland und arbeitet seitdem als Lehrbeauftragter für internationale Politik an den Universitäten Marburg und Gießen sowie an der Fachhochschule Fulda.
Bereits bei der Etablierung des Marburger Ausländerbeirats in 1993 wurde er dessen erster Vorsitzender.
Marburg war eine der letzten Städte, in der ein Ausländerbeirat eingerichtet wurde, und das obwohl Marburg eine sehr offene Stadt war und ist, sagt Baraki heute.
Die ersten Jahre seien sehr schwierig gewesen. Vor allem vor dem Hintergrund der damals regierenden Großen Koalition hätte es viele Auseinandersetzungen mit den Verantwortlichen in der Stadt gegeben.
Wir mussten sehr lange für ein eigenes Büro kämpfen. Und als man es schließlich bewilligte, war es ein leerer Raum, ohne Möbel und Computer,
erinnert sich Baraki. Den zwischenzeitlichen Rückzug vom Posten des Vorsitzenden erklärt Baraki mit seiner Eingebundenheit in seine wissenschaftliche Tätigkeit. Vor allem der Afghanistan-Krieg ab 2001 habe dazu beigetragen, dass er als Afghanistan-Experte gefragt gewesen sei. Zudem hätte er früher die Arbeit im Ausländerbeirat fast alleine bewältigen müssen, mittlerweile seien die Aufgaben durch die Geschäftsstelle und die Mithilfe der Beiratsmitglieder auf mehrere Schultern verteilt.
Ich habe wieder als Vorsitzender kandidiert, weil ich den Ausländerbeirat irgendwie als mein Kind sehe - ich habe es ja von Anfang an mit aufgebaut und versucht, eine öffentliche Akzeptanz zu erreichen, sagt Baraki. Geschäftsstelle weiter ausbauen Seine wichtigsten Ziele für die Zukunft definiert Baraki sehr offensiv:
Wir müssen Politik entwickeln. Dieses bedeute unter anderem, durch mehr Öffentlichkeit die Belange von Marburger Ausländern zu vertreten.
Als konkretes Beispiel benennt er die Idee einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema Altfallregelung und Bleiberecht für langjährig Geduldete, zu der auch Politiker aller Fraktionen, Vereine und Wissenschaftler geladen werden sollten.
Baraki will wie sein Vorgänger die Geschäftsstelle weiter ausbauen und fordert von der Stadt die Einrichtung einer vollen Stelle und ein erhöhtes Budget. Die erste öffentliche Veranstaltung unter Barakis Ägide wird indes am 1. Dezember die Begegnung der Kulturen in der Marburger Stadthalle sein.
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