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Die Menschenkinder sind ja alle Geschwister", lautet
der erste Vers des "Golistans". Dieser "Rosengarten" ist eine
Gedichtsammlung des persischen Mystikers Saadi e Scherazi.
Entstanden ist sie im 13. Jahrhundert, doch hat sie bis heute nichts
von ihrer Wahrhaftigkeit verloren.
Der Vorsitzende des Marburger Ausländerbeirats Dr. Matin Baraki
eröffnete am Freitag (1. Dezember) in der Stadthalle mit den Versen
aus dem "Rosengarten" das Fest zur "Begegnung der Kulturen".
Haupt-Organisatoren der Veranstaltung waren die beiden
Praktikantinnen des Ausländerbeirats Sadik Özel und Carolin Friebe.
Nahezu alle Integration-fördernden Vereine und Initiativen der Stadt
präsentierten sich mit einem Informationsstand und unterrichteten
die mehreren hundert Besucher über ihre Arbeit. Im großen Saal wurde
ein buntes Potpourri von zahlreichen Tanz- und Musik-Darbietungen,
einer afrikanischen Modenschau und eine Koran-Rezitation geboten.
"Wir begrüßen die Aktivität des Ausländerbeirats in der Organisation
eines gemeinsamen Fests aller Kulturen", sagte Bürgermeister Dr.
Franz Kahleseinem Grußwort. Trotz einer integrationsfeindlichen
Politik der Landesregierung werde die Stadt Marburgter die
Initiativen vor Ort unterstützen und fördern, versprach Kahle
weiter.
Dass die "Begegnung der Kulturen" dabei nicht nur im Bezug auf die
deutsche Kultur, sondern auch unter den fremden Kulturen selbst zu
sehen ist, wurde schon in Barakis Begrüßung deutlich. In sieben
Sprachen begrüßte er die Besucher. Im Saal und im Foyer waren im
Laufe des Abends bestimmt noch einmal genauso viele Sprachen zu
hören.
Über sämtliche Verständigungs-Schwierigkeiten hinweg boten gerade
Musik und Tanz eine gemeinsame Sprache aller Kulturen. Ob nun die
Tanzgruppen des Deutsch-Osteuropäischen Integrationszentrums (DOIZ),
die traditionellen afghanischen Sänger Salamat Schiftah und Berthold
Campignies, die Trommler des "Kimba Djembe-Orchestra" oder die
HipHopper der "Sound City Stadtallendorf" - die Freude und
Leidenschaft für das künstlerische Tun war allen gleich anzumerken.
Und wie heißt es dazu passend in einer anderen Passage des
"Rosengartens": "Der Mensch wird nicht edel durch das schöne Gewand.
Ohne Seelenleben ist er bloß ein Gemälde an der Wand. Sein
Geisteswesen ist das Zeichen, was ihn füllt mit Gehalt."
Insofern war die "Begegnung der Kulturen" eine äußerst gehaltvolle
Veranstaltung. |